Interview mit Tanja Rast - Teil 2

Natürlich geht es jetzt wie versprochen mit dem Interview weiter. Tanja Rast hat ja noch ein paar weitere Fragen von mir gestellt bekommen und auch die so spannend beantwortet, aber lest selbst! Viel Spaß!

 

Lia: Wie viele Romane hast du wohl schon geschrieben? Dazu zählen auch solche, die quasi fertig sind, aber vielleicht noch nicht druckreif, weil noch nicht überarbeitet.

 

Tanja: Ich muss mal eben eine Strichliste machen! Vieles von den älteren Sachen könnte nur durch Neuschreiben gerettet werden. Ich habe so viel gelernt, und bei den älteren Romanen hapert es gewaltig noch am Handwerk, auch wenn die Geschichten und die Dialoge mir heute noch Spaß machen würden. Aber selbst gründliche Überarbeitung würde nicht mehr helfen.

 

Wenn ich mich nicht total verzählt und einige Romane vergessen habe, komme ich auf neunundzwanzig Romane und Kurzromane vor den Heroen. Dazu kommen etwas über ein Dutzend Kurzgeschichten, würde ich schätzen.

 

Lia: Du schreibst am liebsten Urban Fantasy und Heroic Fantasy, gibt es noch andere Genres, vielleicht außerhalb der Fantasy, die du gerne mal ausprobieren möchtest (oder hast du das gar schon getan in deinen Kurzgeschichten – die ich dummerweise nicht alle kenne)?

 

Tanja: Ich habe eine Horror-Kurzgeschichte geschrieben, an der ich meine Arbeit immer nach Einbruch der Dunkelheit unterbrechen musste. Ich habe mich zu sehr gegruselt. Einen Roman in dem Genre möchte ich dementsprechend nicht anfangen, weil die Abend- und Nachtstunden meine Hauptschreibzeit ausmachen. Das wäre besonders kontraproduktiv.

  

Zu den oben erwähnten Romanen gehören auch zehn Exemplare, die ich grob dem Genre Thriller oder Actionroman zuzählen könnte. Da habe ich mich ausgetobt, viel gelernt, mit modernen Schusswaffen hantiert und auch sonst bei der Recherche viel Spaß gehabt. Weiterhin in diesen Genres schreiben möchte ich nicht. Derzeit experimentiere ich mit Steampunk im Rahmen eines pseudohistorischen Settings. Eine Revolution! Blutvergießen! Womit ich wieder etwas dichter an meine Heroic-Romane rücke.

 

Lia: Was liest du selbst gerne? Auch hauptsächlich Fantasy? Hast du einen Lieblingsautoren oder ein Lieblingsbuch?

 

Tanja: Ziemlich querbeet. Viele Sachbücher und Biographien, Geschichte ist eine meiner Leidenschaften. Sonst lege ich mich beim Lesen kaum genremäßig fest. Nur mit ChickLit werde ich nicht ganz warm. Eines meiner Lieblingsbücher ist immer noch „Der Name der Rose“, ich weiß gar nicht, wie oft ich das schon gelesen habe. Lieblingsautorin: Georgette Heyer. Liebesromane, die in der Regency-Epoche angesiedelt sind, durch akribische Recherche und herrliche Dialoge geprägt sind. Es sind Romane, bei denen ich laut lachen kann durch den Wortwitz und das, was mitunter ganz lakonisch mit einem einzigen Satz ausgedrückt wird. Natürlich lese ich die Scheibenwelt-Romane von Terry Pratchett. Ungeschlagener Lieblingsautor: Shakespeare. Nur mit Dialogen führt er Figuren greifbar vor, charakterisiert sie und macht sie lebendig. Dazu die unglaubliche Wortgewalt, einfach wundervoll.

 

Lia: In einem Interview von Tina Alba, beantwortest du die Frage, nach der Idee zu Arrion sehr ausführlich (deswegen frage ich jetzt nicht noch mal), aber du sprichst dort von einer 13-bändigen Vampirreihe. Hast du davon schon etwas geschrieben oder hast du vor diese Reihe zu schreiben? Wenn ja, kannst du schon etwas darüber verraten?

 

Tanja: Maynard. Die Romane sind zwischen Sommer 2004 und Sommer 2010 entstanden. Leider trifft auch auf diese Geschichten zu, was ich weiter oben schon schrieb: Ich mag Figuren und Ideen, aber handwerklich grusele ich mich mittlerweile sehr. Neuschreiben wäre die einzige Option, um diese Romane vermittelbar zu machen, aber das fällt mir im Sperrfeuer neuer Ideen wirklich schwer, mir die Zeit für alte, bereits erzählte Geschichten zu nehmen. Aber: Sag niemals nie!


Lia: Ich habe gesehen, dass du schon sehr viele Kurzgeschichten geschrieben und in verschiedenen Anthologien veröffentlicht hast, aber auch Kurzromane, unter anderem „Runenschicksal“, der im Verlag Mondwolf erschienen ist. Arrion ist dein erster langer Roman, der veröffentlicht wurde. Was schreibst du am liebsten, kurze oder lange Geschichten oder tust du das gerne abwechselnd, wie die Ideen gerade kommen?

 

Tanja: Ich gestehe, dass ich kürzere Geschichten meistens nur für Ausschreibungen oder auf Nachfragen schreibe. Meine Ideen sind einfach zu groß! Generell hege ich aber keine besondere Vorliebe. Jede Geschichte bekommt den Platz, den sie benötigt. Ob das nun ein 400-Seiten-Roman wird oder eine Kurzgeschichte, die es gerade mal auf zehn Seiten bringt.

 

Hin und wieder finde ich es auch sehr entspannend, die Arbeit für einen Roman für ein, zwei Tage zu unterbrechen, weil eine Kurzgeschichtenidee mich anspringt, auf der Stelle auf und ab hüpft und sofort geschrieben werden will, weil sie sonst platzt – oder das zumindest androht.

 

Jede Geschichtenlänge hat ihren Reiz. Auch Kurzromane, die sehr viel straffer erzählt werden müssen, machen mir viel Spaß. Doch im Großen und Ganzen sind es die ausgewachsenen Romane, die mich am meisten an sich fesseln können.


Lia: Auf deiner Homepage berichtest du über ein Waffenwochenende, an dem du teilgenommen hast, das liest sich total spannend und klingt danach, als würdest du sehr gerne und sehr viel recherchieren. Gibt es irgendeine besondere Begebenheit, die sich bei einer Recherche zugetragen hat, die du gerne erzählen möchtest?

 

Tanja: Vieles kennt man aus Filmen, und vieles ist so grauenhaft falsch dargestellt der Dramatik wegen. Schwerter, die mit deutlich metallischem Zischen aus der Scheide fahren. Pferde die stundenlang galoppieren können. Einige Antworten liegen auf der Hand, anderes probiere ich aus. Geheimtinte zum Beispiel, oder ob ein mit Handschellen gefesselter Held eine Leiter hinaufklettern kann. Auch verwirrende Regieanweisungen an Freunde, Bekannte und Kollegen habe ich schon geäußert: „Du bist so groß wie mein Held. Knie bitte mal nieder, ob ich dann größer bin als du.“

 

Besonders schön fand ich eine Frage in einem Autorenforum, wie man ein Pferd durch ein Areal schaffen kann, das mit optischen Täuschungen Abgründe und andere Hindernisse vorgaukelt. Die Idee: Augen verbinden!

 

Ob das geht? Ich muss so etwas ja möglichst sofort und auf der Stelle ausprobieren. Also schnappte ich mir einen Schal und ging auf die Suche nach einem vertrauenden Pferd.

 

Vertrauendes Pferd I (Darius) versprach, mich in seiner Tränke zu ersäufen, wenn ich ihm was vor die Augen tüddel. Okay. Vertrauendes Pferd II (Naomi) stand gottergeben still und ließ sich die Augen verbinden. Als ich sie anführte, folgte sie sehr zögerlich. Nach je drei, vier Schritten blieb sie stehen. Ich musste gut auf sie einreden und energisch am Halfter zupfen/ziehen, damit sie sich wieder in Bewegung setzte. Langsam und vorsichtig.

 

Die Testbedingungen stimmten nicht ganz mit der Problemstellung überein: Naomi befand sich in Gesellschaft der ihr vertrauten und untergeordneten kleineren Pferde auf einer ihr bekannten Koppel. Sie wusste, wo sie stand, wo die Senke und wo die Scheunenwand sich im Verhältnis zu ihr befanden.

 

Eine Tagesreise wird da wohl fix zu zwei oder drei. Das Pferd bleibt immer wieder stehen. Ich habe den Schal nur für den Minitest über eine Strecke von max. zehn Metern um ihren Kopf gelassen und habe nicht gewartet, bis das Ding sie so aufregt, dass sie energisch werden möchte. Zu meiner Verteidigung: Naomi ist ein Kaltblutmix von 1,75 m Stockmaß und tierärztlich geschätzten 600 kg. Außerdem mag sie mich, und das möchte ich natürlich nicht aufs Spiel setzen.


Lia: Arbeitest du schon am nächsten Projekt? Möchtest du darüber schon ein bisschen verraten?

 

Tanja: Ich starte im NaNoWriMo dieses Jahr mit meinem dreizehnten Heroic-Roman: Morvik! Ich habe ein Heldenpaar, das nichts toller findet, als sich anzugiften, einen Helden mit möglicherweise düsterer Herkunft, einen Nachtlöwen, eine Invasion aus einer anderen Welt und einen zauberhaften, tintetrinkenden, gepäckplündernden Flammschleck. Ivo, bei dem ich aufpassen muss, dass er nicht zum heimlichen Star des Romans mutiert. Obwohl … warum eigentlich nicht?

 

Lia: Manche Autoren (wozu ich auch gehöre) lassen ihre Figuren aus anderen Geschichten und Romane gerne in neuen Geschichten wieder auftreten, machst du das auch?

 

Tanja: Nein, gar nicht. Meine Hintergrundwelten sind sich zwar ähnlich, aber ich bin überzeugt, dass es trotzdem eigene Welten sind. Da meine Helden alle ziemlich große, egozentrische Kerle sind, wäre ein Zusammentreffen wahrscheinlich auch nicht weise.

 

Lia: Wenn du nicht schreibst, was machst du sonst gerne in deiner Freizeit?

 

Tanja: Gibt es ein Leben abseits der Tastatur?

 

Ja, gibt es. Ich wohne auf dem Land mit vielen Tieren zusammen, die natürlich auch etwas von mir haben wollen. Ich besuche gerne Museen (Haithabu, Turmhügelburg, Freilichtmuseum), die alle ein wenig mit Recherche zu tun haben, ich gebe es zu. Für den kommenden Sommer plane ich eine Fahrt zur Burg Spöttrup in Dänemark. Da war ich zwar auch schon einige Male, aber inzwischen halte ich doch nach ganz anderen Details Ausschau. Sonst stehen bei mir gerne auch Treffen zum Austausch, Geschichtenbesprechen und Spaßhaben mit anderen Autoren an. Seien es nun unser regelmäßiger Stammtisch, Schreibtreffen oder größere Zusammenkünfte wie auf dem BuCon oder der Leipziger Buchmesse.

 

Insgesamt muss ich doch sagen, dass das Schreiben irgendwie immer dominant im Hintergrund lauert, dass ich mir wieder Zeit dafür nehme.

 

Lia: Vielen lieben Dank für das Interview!

 

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