Interview mit Tanja Rast - Teil 1

Heute gibt es ein neues Interview! Dieses Mal mit meiner lieben Kollegin Tanja Rast. Sie schreibt nach eigenen Angaben im Genre "Schmachten & Schlachten", aber lest selbst!


Lia: Liebe Tanja, vielen Dank, dass ich dich interviewen darf! Möchtest du dich vielleicht kurz vorstellen?

 

Tanja: An erster Stelle Danke für das Interesse!

 

Ich bin ein Nordlicht und meinem Heimatbundesland Schleswig-Holstein verbunden. Zwischen den Meeren geboren und aufgewachsen finde ich doch immer noch Neues, was auch gut zu Inspirationszwecken herhalten kann. Ich lebe mit Hunden, Katzen und Pferden auf einem vormaligen Bauernhof in tiefster Ländlichkeit. Wir haben nicht einmal Straßenlaternen oder Straßenbegrenzungspfähle. Dafür einen frechen Fuchs, den wir abends oft kläffen hören, sowie Rehe im Garten.

 

Schreiberisch fühle ich mich in der Fantasy am wohlsten, wobei ich etliche ihrer Spielarten schon ausprobiert habe. Kleine Urban-Fantasy-Geschichten, ein wenig High Fantasy, bis ich bei meinem aktuellen Wohlfühlgenre Heroic Romantic Fantasy gelandet bin. Liebevoll nenne ich es „Schmachten & Schlachten“ oder auch „Conan für Frauen“.

 

Lia: Vor kurzem ist dein Roman „Arrion“ im Amrûn-Verlag erschienen, dazu erst einmal herzlichen Glückwunsch! Das Buch klingt sehr spannend, vor allem die Geistersänger haben es mir angetan und so ist dein Buch direkt auf meine Wunschliste gewandert. Wird es noch mehr Bücher wie Arrion geben, bzw. ist ein zweiter Teil geplant?

 

Tanja: Von Fortsetzungen habe ich mich selbst kuriert, fürchte ich. Ich habe vor Arrion schon sehr viel geschrieben – Versuche, das Schreiben zu lernen, wie ich gerne sage. Dabei waren etliche Fortsetzungsromane und Serien. Außerdem ist Arrions Geschichte erzählt. Er hat sein Ende bekommen, das meiner Überzeugung nach keine Weiterführung mehr gestattet.

 

Aber: Mehr Bücher wie Arrion – definitiv! Zur Leipziger Buchmesse 2016 ist mein zweiter Heroic-Roman geplant: Cajan. Wie bei Arrion auch habe ich einen großen Helden geschaffen, den ich vor eine unlösbare Aufgabe stellte, um ihm dann begeistert zuzusehen, wie er das trotzdem zu schaffen versucht.

 

Lia: Du hast Arrion im Nano 2010 geschrieben, welchen Weg hat der Roman insgesamt hinter sich, hast du zwischendurch andere Sachen geschrieben oder überwiegend an Arrion gearbeitet?

 

Tanja: Arrion ist der erste von nunmehr zwölf Heroic-Romanen. Ich habe schon immer viel und schnell geschrieben und vor wenigen Tagen das Dutzend meiner großen Helden komplettiert.

 

Arrion selbst hat ein paar Irrwege hinter sich. Zuerst habe ich ihn mit der Hilfe tapferer Betaleserinnen gründlich und mehrfach überarbeitet. Dann einem Kleinverlag angeboten, der sich leider im Umbruch befand. Gutes Timing war noch nie meine Stärke. Verleger und ich einigten uns dann nach fast zwei Jahren Wartezeit, dass wir den Versuch der Zusammenarbeit abbrechen. Der Verlag schlug danach auch eine neue, frische Richtung ein, sodass die Entscheidung richtig war.

 

Tja, und dann eröffnete Amrûn seine Pforten, und stürmisch veranlagt, wie ich es mitunter leider bin, habe ich Arrion prompt eingeschickt. Der Rest ist Geschichte, könnte man sagen. Ein tolles Lektorat und viel Spaß mit den Coverentwürfen später ist mein Kobaltblauer endlich da.

 

Lia: Auf deiner Webseite [www.tanja-rast.de] habe ich gelesen (ich meine, es war in einem der Interviews), dass du Drauflosschreiberin bist, hast du schon einmal versucht zu plotten? Wie hast du herausgefunden, dass du Bauchschreiberin bist?

 

Tanja: Ein wenig plotte ich naturgemäß ja auch. Ganz ohne Kenntnis der Figuren und der ganz groben Handlung geht es auch für mich nicht. Ich kenne also meine Ausgangslage (wie lernt mein Pärchen sich kennen), den Konflikt (welche Steine schmeiße ich ihnen in den Weg) und das Ende. Dazu kommt eine grundsätzliche Kenntnis meines Pärchens. Den Rest finde ich unterwegs heraus!

 

Wenn ich feinplotte, langweilt die Geschichte mich beim Schreiben. Ich kenne sie ja schon! Alle Wendungen, alle Gefahren, die Kniffe der Bösewichter. Wozu also noch einmal aufschreiben? Mir fehlt dann das Erforschen, das Abbiegen von der Hauptstraße in kleine, verwinkelte Gassen mit Gebäuden rechts und links, deren Giebel fast über mir zusammenwachsen. Die merkwürdigen Fundstücke unterwegs, die Geräusche aus dem halbzerfallenen Gebäude da hinten und die latente Bedrohung durch die Schritte hinter mir.

 

Ich vergleiche mich beim Schreiben gerne mit jemandem, der eine Kamera auf der Schulter hinter meinem Heldenpaar hinterherschleppt und hofft, nicht abgehängt zu werden. Ein anderes, passendes Bild ist das eines nebelgefüllten Tals (könnte auch Wasserdampf von Wasserfällen sein, die ich gerne in meinen Romanen unterbringe): Ich stehe auf einer erhöhten Klippe auf der einen Seite dieses Tals. Auf der anderen Seite befindet sich meine Ziellinie. Turmzinnen, Mauerkronen, Felsen und Berge ragen aus dem Nebel empor. Meine Stationen auf dem Weg zum Ende. Und dann schultere ich meine treue Kamera und hetze meinem Helden hinterher, der mir bezüglich körperlicher Konstitution natürlich bei Weitem überlegen ist. Wenn ich Glück habe, hält der eine oder andere Kampf ihn auf. Sonst erreiche ich das Ziel atemlos kurz nach ihm.

 

Lia: Wie kamst du überhaupt zum Schreiben? War das schon immer ein Wunsch von dir?

 

Tanja: Ein klares Jain. Über Phantasiemangel konnte ich mich noch nie beklagen. Nicht das Schreiben war immer mein Wunsch, sondern das Fabulieren, die Freude an Geschichten. Ob das nun in der Kindheit ganz eigene Märchen waren oder gedankliche Fortführungen der abendlichen Vorlesegeschichten, war mir gleichgültig.

 

Schreiben an sich ist einfach nur der handwerkliche Prozess, die wilden Ideenfunken einzusammeln und für andere erlebbar zu machen. Quasi das Kopfkino sanft einfangen. Doch der eigentliche Spaß kommt für mich aus Figuren und Handlungen, aus gemeinen Wendungen, Fallen, in die meine Helden tappen dürfen, gruselige Feinde. Diese Freude am Geschichtenerzählen ist es, die ich mir auch weiterhin erhalten möchte. Wenn ich gemein kichernd vor der Tastatur sitze, weiß ich, dass ich es richtig mache. Wenn ich Schreibpausen einlegen muss, weil ich solches Herzklopfen und eiskalte Finger vor Aufregung habe, ist ebenfalls alles bestens.

 

Während ich die Geschichte behutsam umgarne, meinen Helden folge und viel Spaß habe, denke ich auch nicht an Leser, Verleger oder Lektoren (gut, viel Handwerkliches klappt mittlerweile automatisch: Wortwiederholungen vermeiden, Perspektiven sauber einhalten, Verfaulheiten gar nicht erst zulassen. Den Rest erledige ich in der Überarbeitung.). Selbst Texte, die ich für eine Ausschreibung oder auf freundliche Anfrage schreibe, müssen in allererster Linie erst einmal mich in den Bann schlagen, mir den Rausch des Geschichtenerzählens ermöglichen.

 

Arrion ist da ein schönes Beispiel, weil er 2010 im Zuge des NaNoWriMo entstanden ist. Ich wollte einfach nur einen Monat lang Spaß haben. Hatte ich. Danach hatten Betaleser, Verleger und Lektorin den gleichen Spaß. Langsam trudeln die ersten Leserrückmeldungen ein, und auch diese zeigen mir, dass die Freude am Fabulieren sie erreicht, dass mein Schreibspaß für sie erlebbar ist.



Natürlich habe ich noch mehr Fragen an Tanja, aber diese zeige ich euch an einem anderen Tag, hier gab es schon so viel Interessantes zu lesen (und so geht es dann vermutlich nächste Woche weiter).

 

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