Interview mit Stefanie Lahme & Leann Porter

Und hier kommt schon das dritte Interview, dieses Mal mit meiner lieben Kollegin Stefanie Lahme. Viel Spaß!

 

Lia: Hallo Steffi, es freut mich, dass du dich von mir interviewen lässt! Möchtest du dich vielleicht kurz vorstellen?

 

Steffi: Hallo Lia, freut mich sehr, dass du mich interviewen möchtest. Vielen Dank dafür! Ich bin 44 Jahre alt, wohne im Münsterland und erzähle Geschichten, seit ich denken kann. Nach einer langen Flaute schreibe ich seit November 2012 regelmäßig und mit Begeisterung Fantasy- und Liebesromane. Ich reise gerne, vor allem nach Irland, und mag Erdbeeren und kaltes Bier.

 

Lia: Aus deiner Seite bei Bookshouse weiß ich, dass du Irland liebst. Hast du einen Lieblingsort dort oder eine Lieblingserinnerung und vor allem: Spielt einer deiner (zukünftigen) Romane dort?

 

Steffi: Da ich seit 1994 fast jedes Jahr nach Irland reise, habe ich jede Menge Lieblingserinnerungen. Wenn ich die alle aufzähle, sprengt das sicher den Rahmen dieses Interviews. Die schönsten Erinnerungen hängen sicher mit den Menschen zusammen, die mir in Irland begegnet sind, sowohl Einheimische als auch andere Touristen. An keinem anderen Ort der Welt habe ich so viele lustige, inspirierende, tiefgründige oder auch einfach nur unterhaltsame Gespräche geführt wie in Irland. Die Freundlichkeit und der Humor der Iren beeindrucken mich jedes Mal von neuem. Außerdem erinnere ich mich sehr gerne an zahlreiche Musiksessions in den Pubs, vor allem die spontanen, an denen jeder teilnehmen kann, der ein Instrument dabei hat (dazu Torffeuer und ein Pint frischgezapftes Smithwicks und ich bin im Paradies), an die vielen Wanderungen, in netter Gesellschaft oder auch mal allein, an meine unterschiedlichen Reisebegleiter und die tollen Gruppenreisen der ersten Jahre, an die ich auch sehr viele schöne Erinnerungen habe, wie zum Beispiel unsere Gesangseinlagen in der Hostelküche auf meiner ersten Irlandreise, die Radtour von Killarney nach Dingle und die Picknicks am Strand. Sogar die Erinnerung an den Tag, an dem unser vollbeladener Bulli ausgeraubt wurde, hat ihren eigenen Reiz. Nie vergessen werde ich den Moment, an dem ich das erste Mal den Strand von Glencolumcille gesehen habe, womit ich auch gleich bei einem meiner Lieblingsorte bin. Den magischen Zauber des Tals von Glencolumcille im ebenso rauen wie wunderschönen County Donegal wird wohl nur verstehen, wer selbst dort gewesen ist.

 

Aber auch den Süden, dort besonders die Dingle-Halbinsel, mag ich sehr, und auf der Fahrt an der Westküste entlang in den Norden muss ich unbedingt auch immer in Connemara Halt machen. Auch Nordirland darf nie fehlen. Game of Thrones-Fans werden dort viele Schauplätze aus den Filmen entdecken.

 

Warum bisher keiner meiner Romane in Irland spielt, weiß ich selbst nicht, werde dem aber bald abhelfen. Ich plane eine Mischung aus Roadmovie- und Liebesroman, in dem meine Lieblingsvögel, die irischen Papageientaucher, eine wichtige Rolle spielen werden.

 

Lia: Hast du zurzeit ein Lieblingsprojekt, an dem du arbeitest oder an dem du bald gerne arbeiten würdest?

 

Steffi: Das ist sicher der geplante Irlandroman. Ich freue mich schon darauf, während des Schreibens zumindest geistig nach Irland reisen zu können.

 

Lia: Welches Manuskript hast du als erstes beendet? Würdest du es gerne in den Buchläden sehen oder lieber nicht?

 

Steffi: Mein erstes beendetes Manuskript ist mein Fantasyroman „Das Medaillon der Sidhe“. Es ist ein echtes Herzensprojekt und ich wünsche mir sehr, dass es eines Tages den Weg in die Buchläden und vor allem zu den Lesern findet. Es spielt wie zwei weitere meiner bisher unveröffentlichten Romane in der Welt Danu, zu der mich die irischen Legenden über die Túatha Dé Danann, dem Volk der Sidhe, inspiriert haben.

 

Lia: Wie hast du einen Verlag gefunden?

 

Steffi: Ich habe ein Buch von einem mir unbekannten Verlag (Dead Soft Verlag) gelesen und gedacht, dass mein gerade beendetes Manuskript dort gut ins Programm passen könnte. Ein paar Tage später habe ich meinen Mut zusammengenommen und Exposé und Leseprobe hingeschickt. Kurze Zeit später kam bereits die Anforderung des Gesamtmanuskripts und noch etwas später die Zusage. Es war natürlich großes Glück, dass ich sofort bei meinem ersten Versuch Erfolg hatte. Der Verlag ist immer noch etwas ganz Besonderes für mich, da er mir als erster eine Chance gegeben hat und weil mir der Umgang mit Autoren und Lesern sehr gefällt.

 

Lia: Wie viele Bücher hast du schon geschrieben? Dazu zählen auch solche, die das Wort „Ende“ haben könnten, aber vielleicht noch nicht druckreif sind, weil noch nicht überarbeitet.

 

Steffi: Da musste ich erst mal nachzählen. Es sind tatsächlich schon zehn Manuskripte, zumindest die beendeten Rohfassungen. Ein paar muss ich noch überarbeiten, drei sind veröffentlicht und zwei auf dem Weg dahin.

 

Lia: Jetzt musste ich auch nachzählen. Stimmt, du hast ja auch noch ein Buch als Selfpublishing herausgebracht, „Cooler als Caipirinha“, welches mir auch gut gefallen hat. Was gefällt dir besser, die Arbeit mit einem Verlag oder bringst du deine Bücher lieber selbst heraus? Bestimmt hat beides Vor- und Nachteile.

 

Steffi: Es hat mir großen Spaß gemacht, „Cooler als Caipirinha“ selbst herauszubringen, allerdings ist Selfpublishing sehr zeitaufwändig, da ich mich um alles selbst kümmern musste, wie zum Beispiel um die Suche nach einer Lektorin und Coverdesignerin. Zum Glück habe ich die „Sturmmöwen“ gefunden. Die Zusammenarbeit war sehr angenehm. Das Erstellen und Hochladen der E-Book-Datei war dann für mich eine große Herausforderung, da ich das noch nie gemacht habe. Außerdem musste ich das Geld für Cover und Lektorat vorstrecken. Dafür konnte ich aber über alles selbst entscheiden, was mir sehr gefallen hat. Die Vorteile einer Verlagsveröffentlichung sehe ich vor allem darin, dass mir viel vom Verlag abgenommen wird und ich mehr Zeit zum Schreiben habe. Selfpublishing war auf jeden Fall eine Erfahrung wert und mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. In Zukunft werde ich von Projekt zu Projekt entscheiden, ob ein Verlag oder Selfpublishing besser passt.

 

Lia: Bist du auf Bücherportalen wie Lovelybooks oder goodreads unterwegs?

 

Steffi: Bei Lovelybooks bin ich privat und auch als Autorin unterwegs. Mir gefällt die Möglichkeit, mit den Lesern Kontakt zu haben. Ich veranstalte sehr gerne Leserunden, denn es geht nichts über ehrliches Feedback. Daraus kann ich viel für meine nächsten Romane mitnehmen. Mit Goodreads habe ich mich bisher noch nicht intensiv beschäftigt.

Lia: Wie kommst du auf die Ideen zu deinen Büchern?

 

Steffi: Die meisten Ideen habe ich in völlig alltäglichen Situationen, zum Beispiel beim Einkaufen, Duschen oder Radfahren. Sehr viel fällt mir auch beim Joggen ein. Um Ideen auszuarbeiten, brauche ich meist mehrere längere Läufe und „plogge“ (Joggen + Plotten) auch während der Schreibphasen ausgiebig. Dabei sehe ich oft die Romanszenen wie einen Film vor mir ablaufen, mit Ton und in Farbe. Manchmal kann es auch ein Lied oder eine zufällige Begegnung sein, die mich zu einer Geschichte inspirieren. Kurz gesagt: Die Ideen lauern überall.

 

Lia: Dein Roman „Sleepless in Bangkok“ spielt natürlich in Bangkok und von deinem Facebookprofil weiß ich, dass du dort schon im Urlaub warst. Nimmst du in deinen Geschichten gerne Orte, die du kennst oder suchst du sie aus anderen Gründen aus?

 

Steffi: Ich finde, auch in Zeiten von Google Earth kann keine noch so gute Recherche einen realen Ortsbesuch ersetzen. Wenn ich über einen Ort lebendig schreiben will, muss ich ihn mit allen Sinnen erleben. Besonders in Bangkok gibt es ja so viele Sinneseindrücke, die keine Internetrecherche auch nur annähernd vermitteln könnte. Um die Atmosphäre eines Ortes aufzunehmen, muss ich Zeit dort verbringen. Ich wünsche mir, dass ein wenig vom Bangkok, wie ich es erlebt habe, durch den Roman auch Lesern zugänglich gemacht wird, die noch nicht dort waren. Am liebsten schreibe ich über Orte, die mich faszinieren und die ich mit besonderen Erlebnissen verbinde, und das ist bei Bangkok zweifellos der Fall. Eigentlich bin ich kein Städtefan, aber Bangkok kam mir bereits bei meinem ersten Besuch eher wie ein Dschungel vor. Es zieht mich immer wieder dorthin und jedes Mal entdecke ich Neues. Als ich „Sleepless in Bangkok“ geschrieben habe, fühlte sich das an, als würde ich erneut in die Orte, die ich dort besucht habe, eintauchen.

 

Auch die fiktiven Orte in meinen Fantasyromanen haben reale Vorbilder und setzen sich oft aus mehreren mir bekannter Orte zusammen.

 

Lia: Wie entwickelst du deine Figuren? Gibt es irgendwelche Vorbilder?

 

Steffi: Über diese Frage habe ich lange nachgedacht und kann nur sagen, dass die Figuren zu mir kommen. Sie schleichen sich in meine Gedanken und sind einfach da, wie Leute, die ich kenne. Dann brenne ich darauf, sie während des Schreibens noch näher kennenzulernen, und in einige habe ich mich sogar ein wenig verliebt. Wenn ein Roman beendet ist, fällt mir die Trennung oft schwer.

 

Lia: Wenn du gerade nicht schreibst oder reist, was machst du sonst gerne in deiner Freizeit?

 

Steffi: Ich war schon immer eine richtige Leseratte und genieße es, im Sommer mit einem Buch auf dem Balkon zu sitzen. Überhaupt bin ich gerne draußen in der Natur und jogge oft durch den Wald. Auch das Tauchen liebe ich sehr, aber da ich Kälte nicht leiden kann, tauche ich fast nur im Urlaub ab oder an den seltenen heißen Tagen hier in Deutschland. Außerdem treffe ich mich gerne mit Freunden, gehe auf Parties und zum Tanzen. Ich brauche da ein Gleichgewicht zwischen Gesellschaft und Zeiten, die ich allein verbringe.

 

Lia: Ist die Schriftstellerei dein einziger Beruf oder hast du noch einen zweiten Brotjob?

 

Steffi: Ich habe einen Vollzeitjob in der Verwaltung, also eine Bürotätigkeit, bei der ich aber zum Glück viel Kontakt mit Menschen habe. Die Arbeit macht mir Spaß (jedenfalls meistens) und selbst wenn ich eines Tages vom Schreiben leben könnte, kann ich mir im Moment nicht vorstellen, meinen Beruf ganz aufzugeben.

 

Lia: Schreiben lernt man durchs Schreiben, das habe ich auf deiner Bookshouse-Seite gelesen. Man kann sich natürlich auch noch anders fortbilden. Hast du schon einmal Schreibseminare oder Workshops besucht, oder hast du einen Tipp für einen guten Schreibratgeber?

 

Steffi: Ein Schreibseminar habe ich noch nicht besucht, da ich aber schon viel Gutes darüber gehört habe, möchte ich das auf jeden Fall bald ausprobieren. Schreibratgeber gibt es ja sehr viele und es ist schwer, eine Empfehlung auszusprechen, da jeder Autor anders tickt. Ich nenne einfach mal den letzten Ratgeber, den ich gelesen habe: „2k to 10k: Writing Faster, Writing Better, and Writing More of What You Love“ von Rachel Aaron. Darin geht es nicht um reines Wortzahlenbolzen, sondern vor allem um die Leidenschaft für das Schreiben und den Spaß daran. Obwohl die Autorin wesentlich strukturierter an das Schreiben herangeht als ich, hat mich das Buch sehr motiviert. Es ist wohl wie mit vielen Ratgebern: Alles hat auf mich nicht gepasst, aber ich habe mir das herausgesucht, was mich weiterbringt. Besonders gefallen haben mir die Tipps für das Überarbeiten.

 

Lia: Bisher kenne ich Fantasyromane von deinem Pseudonym Leann Porter und Liebesromane aus deiner Feder, kannst du dir vorstellen noch andere Genres auszuprobieren oder vielleicht hast du das schon bereits getan?

 

Steffi: Sehr reizen würde mich ein Krimi oder Thriller, da ich diese Genre auch gerne lese. In meinem Roman „Küss mich, Bodyguard“, der im April erscheint, sind sogar einige Krimielemente enthalten. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, einen Roman zu schreiben, in dem es nicht auch um die Liebe geht.

 

Vielen Dank für das nette Interview!


Gleichfalls! Vielen Dank für deine Zeit und die vielen tollen Einblicke in dein Autorinnenleben! :-)

 

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