9. Tag Release-Party: Textschnipseltag

Den heutigen Tag der Release-Party machen wir zum Textschnipseltag, damit ihr noch ein bisschen mehr in unsere Bücher reinschnuppern könnt.

 

 

„Darf ich dich etwas fragen?“ Rubens Stimme hallte übertrieben laut über die offene Weite, auch Sotai zuckte zusammen.

 „Ja, natürlich.“

 „Du bist kein Mensch, richtig? Sondern eine Arantai? Was ist das genau? Du siehst aus wie eine normale Frau, also wie eine Menschenfrau, meine ich.“

 Sotai lachte leise. „Ich bin normal. Hier bin ich normal. Arantai sind wie …“ Sie schien nach einem passenden Wort zu suchen und schlug das Wörterbuch auf, welches sie immer noch in ihrer Hand trug. „Gestaltwandler? Ja. Ich kann mich in Luft verwandeln.“

 „Echt? Cool.“ Ruben schwieg eine Weile und ließ Sotais Worte sacken. „Und wie alt bist du?“

 „Einunddreißig Menschenjahre“, sagte Sotai.

 „Tatsächlich?“

 „Wir altern äußerlich nicht mehr nach unserer Verwandlung mit neunzehn, sobald wir unser Element erhalten.“

 „Wow, das erklärt es. Du siehst wirklich jung aus.“ Er schwieg einen Moment. „Könntest du …? Ich meine, könntest du es mir zeigen? Die Verwandlung?“ Sotai lächelte zuerst, dann wurden ihre Wangen rot und sie sah auf ihre Füße. „Ist es zu kompliziert? Ich … Du musst nicht.“ Ruben wusste nicht genau, warum sie so reagierte. Vielleicht tat sie es nicht gern vor anderen? Er hätte gern gesehen, wie sie sich verwandelte. Obwohl, wenn er genauer darüber nachdachte, wäre das vermutlich recht unheimlich.

   Er wollte ihr gerade seine Bedenken mitteilen, da ließ Sotai ihre Tasche von der Schulter rutschen und stellte sie zu ihren Füßen auf den Boden. Sie schlüpfte aus ihren Sandalen, holte tief Luft und schloss die Augen.

 Zuerst begann ihr Rock zu wehen, ohne dass Wind aufgekommen wäre. Kurz darauf spürte Ruben einen warmen Luftzug, und Sotai hielt mit den Händen ihr Kleid unten. Im nächsten Moment verschwammen ihre Finger. Ihre Haare wehten wild um ihr Gesicht und lösten sich plötzlich strähnchenweise auf. Ihr Gesicht und ihr Körper verschwanden und ihr Kleid fiel zu Boden.

 Ruben sog erschrocken die Luft ein, aber als ihm der Gedanke kam, dass er möglicherweise Sotai eingeatmet hatte, stieß er sie schnell wieder aus. „Beeindruckend“, murmelte er und sah sich in alle Richtungen um. Am liebsten hätte er Sotais Kleid aufgehoben, um zu sehen, ob sie sich vielleicht darunter verbarg, geschrumpft war, aber er hielt sich zurück.

 „Du kannst jetzt zurückkommen. Dich verwandeln, meine ich.“ Ruben beobachtete das verwaiste Kleidungsstück, als ob Sotai einfach daraus erwachsen würde, aber da tat sich nichts. Ein leichter Windhauch berührte Rubens Wange, wuschelte durch sein Haar und raschelte kurz darauf in einem der naheliegenden Bäume. Ruben kniff die Augen zusammen, aber er konnte nichts zwischen den Blättern erkennen.

 

(Textschnipsel aus "Sonnenschwinge")

 

 

 

Wenn Ihr noch mehr lesen möchtet, hier gibt es den Link zur Leseprobe.

Als nächsten Textschnipsel habe ich einen Auszug aus Lina Jacobs "Virulent 1 - Flammende Bindung" für euch:

 

Etwas Eigenartiges passierte mit ihr. Es kam einem tiefen Verlangen gleich. Oder war es nur Mitleid? Hatte sie jemals zuvor Mitleid für einen Gesetzlosen empfunden? Hatte sie nicht. Als Kopfgeldjäger durfte man kein Mitgefühl, keine Schwäche haben.

 Aber dieses neue Gefühl gewann an Stärke. Es schien sie vollkommen auszufüllen. Vorsichtig zog sie seinen Kopf näher.

 „Küss mich, mehr will ich gar nicht“, flüsterte sie an seinem Mund. Sie wusste nicht, warum sie das sagte, aber es war genau das, was sie in dem Moment ersehnte.

 Marc stöhnte leise. Sanft, zärtlich berührten sich ihre Lippen. Sie kostete jede Sekunde aus, und es war wie ein Zwang, diesen Mund zu küssen – immer und immer wieder. Der Rausch war atemberaubend. Eine Verlockung, der sie nicht länger standhielt. Ihre Lippen lösten sich voneinander. Seine Lider waren immer noch geschlossen.

 Er gab einen wohligen Laut von sich. „Ich habe ganz vergessen, wie elektrisierend ein Kuss von den H4-Frauen ist“, flüsterte er.

 Er sah sie an. In seinen Augen tanzte der schwarze, virulente Schatten. Zitternd holte sie Luft. Der Virus würde dafür sorgen, dass sie übereinander herfielen.

 „Das gefällt dir. Du stehst auf Fesselspielchen? Soll ich dir etwas sagen? Ich auch.“ Seine Lippen streifen sanft ihre Wange, wanderten zu ihrem Mund zurück. „Aber das können wir immer noch machen. Jetzt will ich dich berühren – überall.“ Marcs Stimme wurde zu einem rauen Flüstern. „Mach mich los, Daryan, und ich zeige dir, wie elektrisierend ich bin.“

 Die Stimme durchdrang jeden Nerv in ihrem Körper. Sie war kurz davor, es tatsächlich zu tun."

 

(Textschnipsel aus "Virulent 1 - Flammende Bindung" von Lina Jacobs)

 

Hier geht es zur Leseprobe.

Und nun lasst euch entführen in die magische Welt von Liane Mars aus "Das Band der Magie - Fairy" (erscheint im August 2016, die Vorgänger "Aeri" und "Liah" sind bereits erschienen). Viel Vergnügen!

 

Sein Fell war schwärzer als alles, was ich je gesehen hatte. Von der Kralle über den Schwanz bis zur Schnauze: alles schwarz. Er schnüffelte auf dem Boden, die Nase tief im Schnee vergraben. Obwohl er sich dadurch duckte, war mir klar, wie riesig er war. Stände er neben mir, ginge er mir locker bis zur Schulter.

   Es war beängstigend.

   Ebenfalls beängstigend war das, was ich tat. Fünfzig Schritte war er von mir entfernt. Fünfzig Schritt e! Freies Schussfeld, denn er buddelte still mitten auf einer Lichtung vor sich hin. Ich war durch ein paar hutzlige Büsche einigermaßen getarnt – und über diese konnte ich gut zielen. Perfekt.

  Ich nahm den ersten Pfeil zur Hand, legte ihn auf die Sehne und schoss, ohne großartig darüber nachzudenken.

  Ich traf ihn!

  Was jedes normale Wesen auf der Stelle umgehauen hätte, ließ ihn jedoch lediglich schwanken. Sekunden danach schnellte der riesige Schädel zu mir herum. Fast sofort verstummte das Klingeln vor meinem Mund, denn selbst die Frostgeister hatten sich verzogen. Ja, danke auch!

  Ich hatte rot glühende Augen erwartet, irgendwas Unheimliches. Stattdessen starrte ich in ein Meer blauer Farbe. Wunderschön ...

  Das Vieh sprang auf mich zu. Zwei Sätze, drei Sätze. 

Weniger wunderschön.

  Ich schoss einen zweiten Pfeil, der ihn ebenfalls traf, diesmal vorn in die Brust. Er stoppte ihn allerdings nicht. Zwei Schritte trennten uns, ein Schritt . Das wäre die letzte Chance gewesen, um auf einen Baum zu fliehen. Da war er über mir.

 

(Textschnipsel aus „Aeri – das Band der Magie 1“ von Liane Mars)

 

Und hier geht es zur Leseprobe.

 

Anna Loyelle ermöglicht uns jetzt einen kleinen Einblick in ihren Roman "Wie ein Schmetterling im Wind":

 

Kribbeln

 

„Ich finde ihn unheimlich süß. Du musst ihn dir endlich krallen, Allie.“

 Wir sehen Cato und seinen Kumpels beim Basketballspielen zu. Es ist heiß, und er hat sein T-Shirt ausgezogen. Ich muss dauernd auf seine Muskeln starren und auf seine milchkaffeebraune Haut, die in der Sonne glänzt. Mein Herz klopft schneller, seit er da ist, und meine Wangen fühlen sich heiß an. Er sieht immer wieder zu uns her – oder zu mir? Mein Magen rebelliert auf eine angenehme Weise, wenn er mit seinen Kumpels redet, und ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass er mich wieder anspricht. Nora hat damit keine Probleme. Sie redet mit allen, egal, ob sie denjenigen kennt oder eben erst kennenlernt. Ich bin zu schüchtern, um so zu sein wie sie, was mich oft nervt.

 „Guck, er zwinkert dir zu“, teilt Nora mir leise mit und stößt dabei ihr Knie gegen meins.

 „Ich sehe es.“

 „Zwinker zurück, schnell.“ Ich tue es und komme mir blöd vor. Cato hebt die Hand und winkt mir zu. Ich winke zurück. Nora stöhnt und schüttelt den Kopf.

 „O Mann, ihr seid Babys. Wie lange wollt ihr euch denn noch anschmachten? Reiß dich endlich am Riemen und lade ihn zu einem Date ein.“

 Der Gedanke allein treibt mir schon Schweißperlen in den Nacken. Nie und nimmer werde ich das tun. Dafür bin ich viel zu feige. Plötzlich höre ich jemanden >Achtung< rufen. Noch ehe ich kapiere, was los ist, knallt mir der Basketball an den Kopf. Ich spüre einen heftigen Schlag, dann falle ich rückwärts von der Bank und lande im Gras. Der Schmerz ist zuerst gar nicht so schlimm, erst, als ich mich aufzusetzen versuche, schießt er wie eine vergiftete Pfeilspitze durch meinen Kopf. Stöhnend lege ich mich wieder hin und warte, bis es vorüber ist.

 „Allie, du meine Güte, geht’s dir gut?“

 Nora beugt sich über mich, dann taucht Cato in meinem Sichtfeld auf. Ich lächele und hebe die Hand, um sein Gesicht zu berühren – nur um sie sofort wieder zurückzuziehen. Er ist es wirklich, und seine Miene drückt Besorgnis aus.

 „Allie? Alles okay? Sollen wir den Krankenwagen rufen?“

 Dass er mich das fragt, beschert mir absurderweise Glücksgefühle.

 „Hör auf, so dümmlich zu grinsen, Allie, und sag mir, ob du okay bist.“

 Verwirrt sehe ich Nora an. Warum sollte ich nicht okay sein? Sie helfen mir, mich aufzusetzen. Vor meinen Augen dreht sich alles.

 „Sie wird eine Beule kriegen“, höre ich Cato sagen und fasse mir an die Stelle oberhalb der rechten Schläfe, die am meisten schmerzt. Und da ist sie schon, die Erhebung, aus der bald eine dicke, fette Beule entstehen wird. O nein, wie unendlich peinlich! Nach ein paar Minuten – oder sind es Stunden? – stehe ich endlich auf. Ich fühle mich irgendwie wacklig auf den Beinen, aber ich verschweige es, um nicht noch peinlicher rüberzukommen.

 „Soll ich dich heimbringen?“, fragt Cato.

 Er steht ganz nah neben mir. Mein Herzschlag beschleunigt sich. Ich will gerade mit Ja antworten, als sich Nora bei mir unterhakt.

 „Lass schön die Finger von ihr. Ich mach das schon.“

 Ungläubig sehe ich sie an. Was soll das? Hatte sie mir vorhin nicht geraten, ihn zu einem Date einzuladen? Warum vermiest sie mir diese große Chance?

 „Okay“, höre ich Cato sagen. „Ich hoffe, die Beule wird nicht zu groß.“ Dann dreht er sich um und läuft zu seinen Kumpels zurück.

 „Nora, er wollte mich nach Hause bringen.“ Sie sagt nichts, zieht nur die Brauen hoch und sieht mich ernst an. „Das wäre der ideale Moment gewesen, um ihm näherzukommen. Warum …“

 Abrupt lässt sie meinen Arm los.

 „Schon gut. Ich habs kapiert. Du willst nicht, dass ich mich um dich kümmere. Und was jetzt? Soll ich ihn zurückholen und bitten, dass er dich geradewegs in sein Bett zerrt?“

 „Was? Aber …“

 „Ach, vergiss es. Ich bin weg!“ Sie geht so schnell davon, dass ich kein Wort mehr sagen kann. Ich starre ihr nach und frage mich, was ich eben falsch gemacht habe."

 

(Textschnipsel aus "Wie ein Schmetterling im Wind" von Anna Loyelle)

 

Und hier geht es zur Leseprobe.

Auch Helena Grass wird uns jetzt einen kleinen Einblick in ihren Romantic Thrill Roman "Blue Eyes - für immer und dein" gewähren:

 

Juliette erlebte Jackies Egomanie am eigenen Leib, als er sich ihr dummdreist in den Weg stellte, eine zerknitterte Zigarettenschachtel aus der Hemdtasche zog und sich eine anzündete. Entrückt lächelnd und mit blaumilchigem Blick, der anzüglich an ihrem Busen klebte, blies er ihr andächtig den Rauch ins Gesicht.

„Würdest du für mich damit wackeln, Süße?“, fragte er wichtigtuerisch. „Ich will sehen, ob die Dinger echt sind.“

So viel Dreistigkeit war Juliette noch nie untergekommen. Empört kreiste sie mit dem Zeigefinger an ihrer Schläfe. „Sind Sie noch ganz dicht? In der Regel müsste ich Ihnen eine knallen.“

„Und was machst du, wenn du deine Regel nicht hast?“

„Dich anzeigen wegen Belästigung, Arschloch“, mischte sich eine ruhige Männerstimme ein. Tom war in ihr Leben getreten.

 

(Textschnipsel aus "Blue Eyes - für immer und dein" von Helena Grass)

 

Und hier geht es zur Leseprobe von Blue Eyes - Besessen von dir.

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Kommentare: 3
  • #1

    Anna Loyelle (Donnerstag, 23 Juni 2016 11:14)

    Ich liebe alle Textschnipsel!!! Ich möchte wissen, wie es weitergeht.

  • #2

    Lina Jacobs (Donnerstag, 23 Juni 2016 20:28)

    Uiuiui ... ich hätte mal einen anderen Schnipsel wählen sollen. das ist ja nicht jugendfrei. *lach*
    Auf jeden Fall machen alle Textschnipsel Lust auf mehr.

    LG Lina

  • #3

    Stefanie Strobel (Donnerstag, 23 Juni 2016 21:20)

    Guten Abend,
    Die Textschnipsel sind toll und machen Lust auf mehr und bei Linas Schnipsel wird einem beim Lesen schön ganz heiß...
    Danke für die vielen tollen Beiträge